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Unseren Wildbienen ein Gesicht geben

Kennst Du die Wildbienen, die Deinen Garten besuchen oder in Deiner Nachbarschaft wohnen? Weißt Du wo sie nisten, und wo sie Nahrung finden?

Der Verein Bienenschutz Stuttgart arbeitet seit fast einem Jahr an einem Info-Plakat, das insgesamt 34 häufig vorkommende und weit verbreitete Wildbienenarten, ihre Besonderheiten und ihre Lebensräume vorstellt.

Anschauliche Größendarstellungen, detailreiche Abbildungen auf typischen Blüten, besondere Merkmale und Darstellung der Nistplätze kennzeichnen unseren Plakatentwurf

Mit unserem Wildbienenplakat wollen wir Menschen über Wildbienen informieren, wir wollen ihnen dabei helfen, diese Arten im Garten und in der Natur zu entdecken und sie für die Vielfalt im Reich der Wildbienen begeistern. Weitere Ziele des Plakates sind, das Wissen der Menschen über Wildbienen zu vermehren und ihre Artenkenntnis über die Honigbiene hinaus zu verbessern.

Nicht-kommerzielles Projekt

Das Plakat soll kostenlos an Schulen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Landesmedienzentren, Umweltstiftungen, Naturkunde-Museen, Garten- und Bienenliebhaber abgegeben werden.

In den letzten Monaten haben wir schon viel Vorarbeit geleistet: Begonnen haben wir mit einer sehr genauen und intensiven Auswahl der Arten, die wir zeigen. Danach haben wir uns Gedanken über die einzelnen Elemente des Plakates und die Darstellung der Bienen gemacht. Mittlerweile gibt es einen wunderschönen Entwurf (siehe oben), und wir möchten nun an die Auswahl der Bilder zu den einzelnen Arten gehen.

Jetzt suchen wir also die schönsten und detailreichsten Bilder zu unseren 34 Wildbienenarten. Ihr, egal ob Profi- oder Hobbyfotograf, Wildbienenspezialist oder Glücksritter, seid alle dazu aufgerufen, uns dabei zu unterstützen.

Scharfe Fotos von Andrena bis Xylocopa

Bitte schickt uns an die Adresse wildbienenfotos at web.de klare und scharfe Fotos mit mindestens 300 dpi Auflösung zu den Bienenarten, die im folgenden Bild gelistet sind (ihr könnt das Bild zum Vergrößern einfach anklicken). Bitte bezeichnet die Bienenart eindeutig und nach Euren besten Wissen. Schickt uns außerdem bitte Euren Namen und eine E-Mail-Adresse mit, über die wir Kontakt mit Euch aufnehmen können. Wir garantieren Euch, dass wir Eure Fotos ausschließlich für unser Plakat-Projekt verwenden werden.

Die Wildbienenarten für unser Plakat

Unter allen Fotografinnen und Fotografen, deren Fotos am Ende auf dem Plakat landen, verlosen wir ein Wildbienenbuch, ein Honig-Abo und eine professionelle Nisthilfe. Außerdem erhalten alle Bild-Einsender, die ihre Adresse angeben, ein druckfrisches Plakat von uns zugeschickt, sobald es fertig ist.

Wir freuen uns auf Eure Bilder!

Süßen Signalen auf der Spur

Mit Dr. Hannah Burger auf Ausflug in die Geruchswelt unserer Bienen

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wie Bienen eigentlich zu den Blüten finden, die ihnen am besten schmecken? Dr. Hannah Burger vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik an der Uni in Ulm konnte am 11. Mai  2021 etwa 60 Zuhörerinnen und Zuhören eine erste Idee zu dieser Frage mitgeben. Denn ihr Online-Vortrag handelte von „Wildbienen und ihren speziellen Vorlieben für Blütenduftstoffe“.

Wer in diesem komplexen Zusammenspiel zwischen Insekt und Pflanze mehr verstehen will, der muss sich einerseits mit den Duftcocktails verschiedener Wildpflanzenblüten und andererseits mit den Riechorganen der Wildbienen beschäftigen.

Zu letzteren gehören die Antennen und der Antennenlappen, auch Antennallobus genannt. Auf der Antenne einer Biene sitzen rund 60.000 neuronale Rezeptoren. Sie nehmen die ankommenden Gerüche auf und leiten sie über Nerven an den Antennallobus weiter, wo dann eine erste olfaktorische Signalverarbeitung stattfindet.

Dieses Riechhirn wiederum besteht aus weit über 100 unterschiedlichen kugelförmigen Strukturen, welche der Biologe Glomeruli nennt. Je nach Duft werden unterschiedliche Glomeruli oder Muster aus mehreren Glomeruli aktiv. Mit der Calcium-Imaging-Methode lassen sich diese Muster studieren. Dabei wird das Hirngewebe mit einem kalziumsensitiven Farbstoff angefärbt, der seine Fluoreszenz mit steigender Kalziumkonzentration verändert und die Aktivitäten in den Hirnbereichen so für uns Menschen sichtbar macht.

Wildpflanzen-Parfum wird zerlegt

Die Düfte unserer Wildpflanzen bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher chemischer Verbindungen. „Das ist so wie bei einem Parfum“, sagt Burger. Auch hier mischt ja der Parfumeur unterschiedliche Substanzen zusammen, bis der gewünschte Duft entsteht.

Wissenschaftler arbeiten in der umgekehrten Richtung. Sie schicken das „Parfum der Blüten“ durch einen Gaschromatographen, der die einzelnen Substanzen des Gemischs voneinander trennt. Danach werden diese Substanzen in einem Massenspektrometer analysiert und gleichzeitig mit der Bienenantenne in Kontakt gebracht.

Jeder einzelne dieser Schritte ist notwendig bis man dann am Ende zu der Aussage kommen kann, dass es z. B. bei der Weiden-Sandbiene (Andrena vaga),  zu einer besonders starken Aktivität im Antennallobus kommt, wenn sie dem Duft einer blühenden Grauweide begegnet.

Gerade bei den oligolektischen Bienenarten, zu denen etwa 30 Prozent unserer nestbauenden, heimischen Wildbienen gehören, zeigen sich in der Signalstärke und auch im Signalmuster deutliche Unterschiede. Aber auch für die Generalisten unter den Bienen, wie die Honigbiene, riechen offenbar nicht alle Blüten gleich schmackhaft. Auch sie sind ein wenig schleckig 😉

Eucera nigrescens - Felix Fornoff

Orange-brauner Pelz und lange Antennen

Ihren besonders langen Antennen und dem Flugzeitraum, der meist Ende April bis Anfang Mai beginnt, verdankt die Wildbiene des Jahres 2021 ihren Namen. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) ist etwas größer als die Honigbiene, sie wirkt außerdem ein wenig plump und ist pelzig orange-braun behaart.

Die Männchen der Mai-Langhornbiene erscheinen deutlich vor den Weibchen meist ab Mitte April bis Anfang Mai und patrouillieren in rasantem Flug bevorzugt an Beständen der Zaun-Wicke. Denn die Wildbiene des Jahres hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen. Ausschließlich Schmetterlingsblütler stehen auf ihrem Speisezettel. Der Schlüssel aber für das Vorkommen der Mai-Langhornbiene sind ergiebige Bestände der Zaun-Wicke.

Die Männchen folgen auffällig stets den Flugbahnen, die von ihnen durch Duftmarken festgelegt wurden, und erwarten die Weibchen. Diese legen Nester in der Erde an vegetationsfreien oder nur spärlich bewachsenen Stellen an. Das sind ebene Flächen oder Böschungen bevorzugt mit lehmigen oder sandigen Böden. Die Weibchen
häufen im hinteren Teil der Brutkammern den Pollenvorrat einfach an und formen ihn nicht, wie bei anderen Wildbienen üblich, zu einer Kugel. Nach Fertigstellung der Nester stirbt das Weibchen etwa Mitte Juni.

Noch ist Eucera nigrescens bundesweit betrachtet nicht gefährdet, doch wird sie in einigen Bundesländern in der jeweiligen Roten Liste geführt. In Nordrhein-Westfalen gilt sie als gefährdet, in Sachsen als vom Aussterben bedroht.

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ wählt seit 2013 jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt dieser Tiere bekannter zu machen. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, „in die Natur“ zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen.

Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (Citizen Science) und bringt mehr Klarheit über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres.
Das Kuratorium ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V.

Hoher Blühflächen-Besuch in Zuffenhausen

Biene, Hummel und Co am Bahnhof Zuffenhausen

Beim Blühflächenbesuch: v. l. Bernd Wudick, Volker Schirner, Ute Dümcke; Andreas Elsner und Ingo Lau

Der Bürgerverein Zuffenhausen, Bienenschutz Stuttgart und die Stadt haben im Rahmen eines Pressetermins am 9. Juli die am Bahnhof Zuffenhausen angelegten Blühflächen vorgestellt. Die Flächen umfassen das Beet um den Blauglockenbaum auf dem Bahnhofsvorplatz (40 Quadratmeter), den Hang zur B10/B27, gegenüber dem Kulturzentrum (220 Quadratmeter) und die Wiese bei den Altglascontainern am Busbahnhof (420 Quadratmeter). Alle drei gehören auch zum Projekt „BienenBlütenReich“ des Netzwerks Blühende Landschaft.

Der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, Volker Schirner, erschien persönlich und zeigte sich äußerst interessiert am Aussterben der Wildbienen, dem die Projektpartner mit ihrer Initiative am Bahnhof etwas entgegensetzen wollen. Bei der Gelegenheit nahm der Amtsleiter auch die von Bienenschutz Stuttgart gestiftete Wildbienen-Nisthilfe und die vom Bürgerverein angebrachte Info-Beschilderung (siehe Foto) in Augenschein.

Bienen, Hummeln und vielen anderen Insekten geht es schlecht. Auch in Stuttgart sind mehr als die Hälfte der 270 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben.

 

Bürger und Bienenschützer arbeiten Hand in Hand

Bienenweide Bahnhof Zufenhausen

Christina Kolb vom Bürgerverein Zuffenhausen und Bienenschützer Andreas Elsner bei der Einsaat

Anfang April haben sich Bienenschutz Stuttgart und der Bürgerverein Zuffenhausen zur Einsaat  am Bahnhof Zuffenhausen getroffen. Es dauerte rund eine Stunde, dann waren auf den 700 Quadratmetern die drei verschiedenen Mischungen aus heimischen Wildblumensamen ausgebracht.

Die Saatgutmischungen wurden bei einem VWW-zertifizierten Hersteller von Regio-Saatgut im Rahmen des Projektes BienenBlütenReich bezogen. Mit diesem Projekt setzt sich das Netzwerk Blühende Landschaft (www.bluehende-landschaft.de) bundesweit für die Verbesserung der Nahrungs- und Lebensgrundlage von blütenbesuchenden Insekten ein. Die Vorbereitung der drei Flächen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt.

Im Mai folgt ein gemeinsamer Pressetermin der Projektpartner, bei dem auch eine Wildbienen-Nisthilfe auf einer der Flächen aufgestellt wird.

Zeit für die Aussaat von Bienenstauden

Campanula rotundifolia

Rundblättrige Glockenblumen stellen eine wichtige Pollenquelle für spezialisierte Wildbienen dar

Der Monat April ist für Gärtner und damit auch für Bienenschützer ein wichtiger Monat. Viele Wildkräuter und Wildstauden lassen sich jetzt besonders gut aussäen, teilweise noch auf dem Wärme spendenden Fensterbrett, kühl keimende Arten aber auch bereits draußen im Freiland.

Wer seinen Garten oder das Staudenbeet in diesem Jahr mit Blick auf die Wildbienen aufwerten möchte, kann beispielsweise Rainfarn säen. Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist eine wertvolle Pollenquelle für verschiedene Seidenbien-Arten wie z. B. die Buckel-Seidenbiene. Auch andere Korbblütler-Spezialisten sammeln Pollen von Rainfarn und ernähren damit ihre Nachkommen.

Unsere einheimische Glockenblume (Campanula rotundifolia) ist ein weiterer Schatz für die Pollenspezialisten unter den Wildbienen. Gleich drei Scherenbienen-Arten und auch die Glocken-Sägehornbiene sind auf den Pollen der Glockenblume angewiesen. Wo es den nicht gibt, tauchen auch diese Arten nicht mehr auf.

Beim Erwerb der Samen ist unbedingt darauf zu achten, dass das Saatgut aus der eigenen Region stammt. Verwendet man Samen derselben Art, die jedoch aus dem Ausland oder gar aus einer anderen Klimazone stammen, kann der Pollen von den Bienen möglicherweise nicht verwertet werden oder die Blühphasen verschieben sich so, dass sie mit der Flugzeit der Bienen nicht mehr übereinstimmen.

Weitere von Wildbienen-Experten empfohlene Stauden finden sich beispielsweise auf der Seite www.wildbienen.info

Gebietsheimisches Saatgut kann unter anderem bei Rieger-Hofmann, Hof Berg-Garten, Syringa oder der Staudengärtnerei Strickler bezogen werden.