Archiv des Autors: Ingo Lau

Über Ingo Lau

Pflege seit über 30 Jahren Streuobstwiesen und freue mich, dass es dort so viele Bienen gibt

Bürgerstimmen für den Bienenschutz

Ab dieser Woche können Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger wieder über den Bürgerhaushalt abstimmen, heißt jeder kann mit entscheiden, wofür Stuttgart 2019 sein Geld ausgibt. Wer sich also mehr blühende Grünflächen, insektenfreundliche Bäume und mehr Artenschutz wünscht kann jetzt seine Stimme abgeben.
Bienenschutz Stuttgart listet hier viele Vorschläge von Bürgern auf, die wir für gut und wichtig halten, damit es auch in Zukunft viele Insekten und Bestäuber in unserer Stadt gibt:
Blühendes S21
Nisthilfen
Bodenbrüter
Heu-Taxi
Insektenfreundliche Blühflächen
Wildblumenflächen
Insektenwiesen
Blumenwiesen
Bienenfutterpflanzen
Pestizidreie Kommune
Verkehrsinseln bepflanzen
Dachbegrünung

Leben aus dem Lehm – Staunen und lernen 1

Sceliphron curvatum

Zukünftiges Leben schlummert in Lehm

In der letzten Woche vor den Faschingsferien hat mich mein Sohn mit einem kleinen Mitbringsel aus der Schule überrascht. In einer Blechdose, die er von seinem Gartenbaulehrer bekommen hatte, lag gut gepolstert ein etwa drei Zentimeter großer schön geformter Klumpen aus Lehm und Sand (s. Foto). Am etwas schmaleren Ende des Klumpens ist eine Art Röhre angedeutet, deren Öffnung mit demselben Material perfekt verschlossen ist. Etwas vergleichbares hatte ich nie zuvor gesehen. Ich drehte den Klumpen vorsichtig um und merkte dabei, dass das Gebilde hart und durchaus stabil war.

Der Nachwuchs der Orientalischen Mauerwespe (Sceliphron curvatum) hat sich bereits verpuppt

Auf der Unterseite zeigt sich ein völlig anderes Bild: Hier ist der Klumpen offen, und ich sehe den Teil einer Puppe. An den Enden ist sie schwarz und im mittleren Bereich in einem dunklen rostrot gefärbt. Damit war mir klar, dass in diesem Lehmmantel ein zukünftiges Insekt schlummert. Mein Sohn erklärte mir noch, dass der Klumpen mit der offenen Unterseite an einem Brett geklebt habe und an dem Brett seien noch 10 bis 15 weiterer solcher Klumpen gehangen.

Also hatte dort ein Insekt in mehreren Brutzellen aus Lehm seine Nachkommen platziert. Blieb die Frage, welches Insekt hier am Werk gewesen war. Ich tippte zunächst auf eine Mörtelbiene, war mir meiner Sache aber nicht sicher und wollte auch nicht warten bis das Tier schlüpft. Daher fragte ich einen Entomologen am Naturkundemuseum in Stuttgart. Die Antwort kam prompt: Keine Mörtelbiene sondern eine Orientalische Mauerwespe (Sceliphron curvatum) wird im Frühling aus diesem Lehmmantel schlüpfen. Diese Art gehört zur Gattung der Grabwespen (Spheciformes) und ist ursprünglich in Asien beheimatet. Seit 1979 breiten sich diese Mauerwespen auch in Europa aus. In die Brutzelle kommen außer dem Ei bis zu 40 paralysierte Spinnen, die der Larve als Nahrung dienen, bis sie sich dann endlich verpuppt.

Die in Deutschland heimischen Mörtelbienen, wie beispielsweise die Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietena), bauen ebenfalls Brutzellen aus Lehm und Sand und kleben diese an Steine oder andere raue Oberflächen. Leider sind diese mittlerweile in Deutschland sehr selten geworden.

Dieser Beitrag bilde den Auftakt zu einer Serie mit dem Titel „Staunen und lernen“, in der wir in unregelmäßigen Abstand Fundstücke oder Besonderheiten, die im Zusammenhang mit Hautflüglern stehen, vorstellen werden. Gerne greifen wir auch Ihre Anregungen oder Fundstücke auf.

Stuttgart plant Aktionsjahr für Insektenvielfalt

Unter dem Motto „Stuttgart blüht auf – Gemeinsam für Insektenvielfalt“ will die Stadt das Jahr 2019 mit verschiedenen Aktionen zur Verbesserung der Artenvielfalt und zum Schutz von Insekten und Bestäubern begleiten. Ziel das Aktionsjahres ist es nach Auskunft des Amtes für Umweltschutz, die Öffentlichkeit verstärkt über den Rückgang der Insektenvielfalt zu informieren und gleichzeitig Maßnahmen zur Verbesserung aufzuzeigen. In Planung sind unter anderem die Vergabe eines Umweltpreises für Maßnahmen zur Verbesserung der Insektenvielfalt und verschiedene Aktionen im Rahmen der „Tage der Artenvielfalt“ sowie der „Grünen Woche“. Zahlreiche Umweltverbände und Vereine wurden bereits von der Stadt angesprochen und gebeten, sich ebenfalls mit ihren Beiträgen am Aktionsjahr zu beteiligen.

Sie fliegt auf gelben Acker-Senf

Die Senf-Blauschillersandbiene (Andrena aglissima) ist die Wildbiene des Jahres 2019. Die Männchen und Weibchen dieser von Anfang Mai bis Anfang Juli sammelnden Bienen haben eine Körpergröße von 13–15 mm und sind an einem typischen Blauschimmer auf Flügeln und Hinterleib gut zu erkennen. Die schneeweiße Färbung der Schienenbürsten an den Hinterbeinen der Weibchen, und der Behaarung an weiteren Körperstellen liefern einen auffälligen Kontrast zum schwarzen Chitinpanzer.

Die Weibchen sammlen ihre Pollen ausschließlich an Kreuzblütlern und am liebsten am gelben Acker-Senf. Die „Pollenhosen“ an den Hinterbeinen sind bei der Senf-Blauschillersandbiene daher meist vom Pollen des Acker-Senfs blassgelb gefärbt.  Wie alle Sandbienen baut Andrena agilissima ihr Nest im Erdboden. Die Tiere bevorzugen dazu regengeschützte Plätze an Steilwänden in Sand, Löß oder Lehm.

Andrena aglissima

Weibchen der Senf-Blauschillersandbiene auf ihrer Lieblings-Pollenquelle dem gelben Acker-Senf (Foto: R. Burger)

Verbreitet ist die Wildbiene des Jahres 2019 vor allem in trockenen und warmen Lebensräumen, so auch in den tieferen, wärmegeprägten Lagen Baden-Württembergs. Eine Begegnung mit der Senf-Blauschillersandbiene in Stuttgart ist also nicht ausgeschlossen und kann – am besten zusammen mit einem Foto – beim Wildbienen-Kataster (www.wildbienen-kataster.de) angezeigt werden.

Im Zuge einer intensiven Feldwirtschaft mit Einengung auf wenige Kulturpflanzen und verbunden mit dem Einsatz von Herbiziden sind die Nahrungspflanzen von Andrena agilissima allerdings vielerorts verschwunden. Andrena agilissima zählt zusammen mit 80 anderen Bienenarten zur Bestäubergemeinschaft des Rapses. Allerdings kann die Wildbiene des Jahres 2019 nicht immer vom Anbau dieser oft großflächig ausgesäten Ölpflanze profitieren, da oftmals die Rapsblüte vorüber ist, bevor ihre Hauptflugzeit beginnt.

Durch ein deutlich verbessertes Angebot an Kreuzblütlern, die während der Flugzeit von Andrena agilissima blühen, ist dieser bedrohten Art wirksam zu helfen. Insbesondere Ansaaten mit Acker-Senf aber auch Barbarakraut, Hederich, Ölrettich oder Weiß-Senf bereichern das Pollenangebot für diese Biene. Mehr Blütenvielfalt in der Feldflur kommt aber nicht nur der Wildbiene des Jahres, sondern der Insektengemeinschaft insgesamt zugute.

Die Wildbiene des Jahres wird jährlich vom Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ gewählt, das beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt ist, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V. Dort finden sich auch weitere Informationen zu Senf-Blauschillersandbiene und ein Flyer zum Download.

Knautia arvensis

Bienenfreunde säen auch vor dem Winter

„Im Märzen der Bauer …“, so beginnt ein bekanntes Kinderlied. Das Säen ist demnach eine Tätigkeit des Frühjahrs – aber eben nicht nur. Winterweizen sät man im Hebst ein und auch bei der Neuanlage einer Bienenweide sollte berücksichtigt werden, dass viele einheimische Wildblumen zu den sogenannten Kühl- oder Kaltkeimern gehören. Früher wurden sie auch als Frostkeimer bezeichnet, was eher irreführend ist, da Temperaturen unter null Grad nicht zwingend notwendig sind.

Die Ackerwitwenblume (Knautia arvensis, s. Foto) oder der Natternkopf (Echium vulgare) sind zwei prominente Vertreter unter den Kaltkeimern. Sie keimen im Frühjahr nur dann, wenn sie vorher eine Kälteperiode durchgemacht haben. Die Samen besitzen einen hormonellen Schutz, der dafür sorgt, dass sie nach dem Quellen nicht sofort keimen und so möglicherweise  zu einer ungünstigen Jahreszeit, beispielsweise kurz vor dem Winter aufgehen und dann direkt erfrieren. Der Kältereiz baut die keimhemmenden Substanzen nach und nach ab, so dass die keimfördernden Hormone irgendwann überwiegen und der Samen dann im Frühling wirklich zur Keimung kommt.

Will man die Kälteperiode nicht abwarten und Samen von Kaltkeimern direkt im Frühjahr aussäen, kann man die Samen auch einer künstlichen Kältebehandlung unterziehen. Dieser Vorgang wird in der Botanik Stratifikation genannt. Hobbygärtner können das im Kühlschrank machen. Den Samen gibt man dazu in ein offenes Glas mit feuchtem Sand und mischt alles durch. Anschließend stellt man das Glas für vier bis sechs Wochen ins Gemüsefach, schüttelt es pro Woche einmal durch und achtet darauf, dass der Sand feucht bleibt.

Also könnten wir auch singen: „Im November der Bienenfreund die Samen ausbringt.“

Bienenschutz Stuttgart auf dem Bienentag

Bienenschutz Stzttgart

Wie man Bienen helfen kann, erfahren Sie auf dem Stand von Bienenschutz Stuttgart

Am 27. Mai von 13 bis 18 Uhr ist Bienenschutz Stuttgart und die Mellifera Regionalgruppe auf dem Bienentag bei der Kulturinsel (Güterstraße 4, 70372 Stuttgart) mit einem Stand vertreten. Wir informieren dort Besucher über Trachtpflanzen für Bienen und Wildbienen und auch über geeignete Nisthilfen für die bei uns heimischen Hautflügler. Außerdem haben wir Setzlinge für Wildblumen vorgezogen, mit denen man im heimischen Garten oder Vorgarten  eine kleine Wildbienen-Oase erschaffen kann.

Weitere Themen auf dem Stand sind die 2018 gestartete Mitmach-Aktion Stuttgarter Sensenschwinger und unsere Sensenkurse, die wir regelmäßig anbieten. Sie erfahren bei uns alles darüber, wie man das Sensen erlernen und sich unserer Landschafts- und Kulturpflege-Maßnahme zum Schutz von Wildbienen beteiligen kann.

Mit den kleinen Gäste des Bienentages haben wir auch wieder etwas vor. Wir basteln drollige Bienen aus Erlen-Zapfen und malen schöne Bienenbilder. Es lohnt sich also vorbei zu schauen, auf dem Bienentag 2018 bei der Kulturinsel in Bad Cannstatt.

Zeit für die Aussaat von Bienenstauden

Campanula rotundifolia

Rundblättrige Glockenblumen stellen eine wichtige Pollenquelle für spezialisierte Wildbienen dar

Der Monat April ist für Gärtner und damit auch für Bienenschützer ein wichtiger Monat. Viele Wildkräuter und Wildstauden lassen sich jetzt besonders gut aussäen, teilweise noch auf dem Wärme spendenden Fensterbrett, kühl keimende Arten aber auch bereits draußen im Freiland.

Wer seinen Garten oder das Staudenbeet in diesem Jahr mit Blick auf die Wildbienen aufwerten möchte, kann beispielsweise Rainfarn säen. Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist eine wertvolle Pollenquelle für verschiedene Seidenbien-Arten wie z. B. die Buckel-Seidenbiene. Auch andere Korbblütler-Spezialisten sammeln Pollen von Rainfarn und ernähren damit ihre Nachkommen.

Unsere einheimische Glockenblume (Campanula rotundifolia) ist ein weiterer Schatz für die Pollenspezialisten unter den Wildbienen. Gleich drei Scherenbienen-Arten und auch die Glocken-Sägehornbiene sind auf den Pollen der Glockenblume angewiesen. Wo es den nicht gibt, tauchen auch diese Arten nicht mehr auf.

Beim Erwerb der Samen ist unbedingt darauf zu achten, dass das Saatgut aus der eigenen Region stammt. Verwendet man Samen derselben Art, die jedoch aus dem Ausland oder gar aus einer anderen Klimazone stammen, kann der Pollen von den Bienen möglicherweise nicht verwertet werden oder die Blühphasen verschieben sich so, dass sie mit der Flugzeit der Bienen nicht mehr übereinstimmen.

Weitere von Wildbienen-Experten empfohlene Stauden finden sich beispielsweise auf der Seite www.wildbienen.info

Gebietsheimisches Saatgut kann unter anderem bei Rieger-Hofmann, Hof Berg-Garten, Syringa oder der Staudengärtnerei Strickler bezogen werden.

Bienenhaltung als Beziehungstat

Ein Blick in das Buch „Ökologische Bienenhaltung“ von David Gerstmeier und Tobias Miltenberger

Orientierung am Bien

Ökologische Bienenhaltung setzt auf den Schwarm als natürliche Vermehrung

Die Honigbiene ist eines unserer wichtigsten Nutztiere, sie liefert uns den Honig als Lebensmittel, sie liefert uns Wachs, Propolis und das Bienengift für kosmetische oder medizinische Produkte. War es das, oder ist da noch mehr zwischen dem Menschen und den Bienen, was die beiden verbindet? Woher kommt die unglaubliche Faszination, die viele Menschen – und nicht nur Imker – für Bienen empfinden?

David Gerstmeier und Tobias Miltenberger spüren diesen Fragen in ihrem Buch „Ökologische Bienenhaltung“ nach. Dabei zeigen sie viele spannende Verbindungen und Analogien auf zwischen dem Bienenvolk und uns. So hat beispielsweise jeder Bienenstock seinen eigenen Geruch, den man deutlich wahrnehmen kann, wenn man den Deckel einer Beute anhebt. Das gleich Phänomen kennen wir beim Betreten eines fremden Hauses oder einer Wohnung. Es riecht anders. Ein weiteres Beispiel: Das Gewicht eines neugeborenen Kindes liegt in der Regel zwischen 2,8 und 3,8 kg. Ein kräftiger Bienenschwarm, der in der Schwarmzeit in einem Baum hängt, kommt auf ein Gewicht zwischen 2 und 3 kg.

Natürlich kann das alles reiner Zufall sein, aber nach Ansicht der beiden Stuttgarter Berufsimker zeigt sich darin und an vielen weiteren Parallelen, dass sich Mensch und Biene von Alters her und in einem Naturzusammenhang stehend gemeinsam entwickelt haben. Weitergedacht, hat das direkte Auswirkungen auf das Handeln des Imkers. Für die beiden Autoren ist das Imkern keine Technik, die aus Anleitungen im Internet und auch nicht aus Büchern gelernt werden kann. „Ökologische Bienenhaltung“ kann und will somit  auch kein klassisches Lehrbuch für angehende Öko- oder Bio-Imker sein.

Gerstmeier und Miltenberger werben in ihrem Buch für mehr Beziehung in der Bienenhaltung. Hier tritt ein Individuum, der Mensch, einem andern Individuum, dem Bien – ein Synonym für Bienenvolk – gegenüber. Beide sollten versuchen, eine Beziehung zueinander aufzubauen. Wenn sich jeder ein Stück weit für den anderen öffnet, kann etwas Fruchtbares aus dieser Beziehung entstehen, und vor allem kann eine gemeinsame Zukunft erschaffen werden – für den Menschen und die Bienen.

Das Buch „Ökologische Bienenhaltung – Die Orientierung am Bien“ von David Gerstmeier und Tobias Miltenberger ist im Kosmos-Verlag erschienen hat rund 180 Seiten und kostet 24,99 Euro.

Sensenkurs – Lerne den richtigen Schwung

Am 19. Mai können Anfänger und Auffrischer das traditionelle Mähen mit der Sense erlernen. Zusammen mit unserem erfahrenen Sensenlehrer Bernhard Lehr erlernen Sie von Grund auf das richtige Einstellen der Sense, das Wetzen mit dem Stein, die Beurteilung des Dangels (der Schneide) und auch die richtige Mähtechnik. Sie bekommen wichtige Tipps zum Einkauf einer guten Sense. Außerdem wird im Kurs vermittelt, wie Sie auf Ihrem eigenen Grundstück das Entstehen einer bunten Blumenwiese fördern können.

Seit 2014 veranstaltet Bienenschutz Stuttgart und die Stuttgarter Regionalgruppe Netzwerk Blühende Landschaft jedes Jahr einen oder mehrere Sensenkurse. Im Herbst werden bei Bedarf auch Dengelkurse angeboten.

Weitere Informationen gibt es hier.

Understanding Nature

Museumsexperte erklärt Insektensterben

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Naturkundliche Seminare für Erwachsene“ steht am 13. März um 19 Uhr das Thema Insekten und Insektensterben auf dem Programm. Dr. Lars Krogmann, Insektenexperte im Museum am Löwentor, nimmt seine Zuhörer an diesem Abend mit auf einen zweistündigen Intensivkurs. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 20,- Euro, ermäßigt 15,- Euro. Weitere Seminare der Reihe sind auf der Seite www.naturkundemuseum-bw.de gelistet.