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Sensen leicht gelernt

Bienenschutz Stuttgart veranstaltet ab Mai 2020 wieder Kurse, in denen das lautlose, insektenfreundliche und Rücken stärkende Mähen mit der Sense erlernt werden kann. Unsere beiden ersten Kurse werden am 16. Mai in Hedelfingen und am 17. Mai in Heumaden stattfinden.

Sense wetzen
Bernhard Lehr erläutert das Wetzen der Sense mit dem Stein.

Bernhard Lehr erklärt und zeigt in den Kursen das richtige Sensen von der Pike auf. Er beantwortet dabei wichtige Fragen, wie: Was macht eine gute Sense aus? Wo kaufe ich eine gute Sense? Wie stelle ich meine Sense richtig ein? Wie und wie oft wird die Sense gewetzt oder gedengelt? Wie kann ich mit wenig Krafteinsatz mähen?

Interessierte können sich ab sofort unter sensenkurs@bienenschutz-stuttgart.de anmelden. Für den Kurs werden Leihsensen zur Verfügung gestellt. Die Kursgebühr beträgt 25,- Euro. Sie wird vor Ort erhoben und beinhaltet auch ein zweites Frühstück.

Sammelt Öl für den Nachwuchs

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2020 eine Biene gewählt, die sich durch eine für Mitteleuropa einzigartige Lebensweise auszeichnet. Während Wildbienen für ihre Larven üblicherweise einen Futterproviant aus Pollen und Nektar in ihr Nest eintragen, sammelt die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) Pflanzenöle und vermengt sie mit Pollen zu einer Art Ölkuchen.

Die Auen-Schenkelbiene auf einer Blüte des Gilbweiderichs
Foto: Volker Mauss

Als ölspendende Pflanzen dienen den Schenkelbienen hierzulande Gilbweiderich-Arten (Lysimachia), die häufig an Bachufern und Grabenrändern vorkommen (Gewöhnlicher Gilbweiderich, Pfennigkraut). Der Punkt-Gilbweiderich ist in Gärten als Zierpflanze verbreitet.

Auf der Suche nach dem Pflanzenöl kommt die Auen-Schenkelbiene somit auch in unsere Gärten. Ein noch häufigerer Gast ist hier die sehr ähnliche Schwesterart, die Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes). Die Bienen brauchen al-lerdings als schnell verfügbaren „Treibstoff“ stets auch Nektar, den sie sich in unterschiedlichen Blüten holen – zumeist in der Nähe der Ölpflanzen. Die Schenkelbienen brauchen also ein vielfältiges Blütenangebot.

Um die Wildbiene des Jahres 2020 zu beobachten, lohnt es sich, ab Ende Juni an Beständen des Gilbweiderichs nach den Tieren Ausschau zu halten. Vor allem die Männchen mit auffällig gelben Gesichtern fliegen hektisch um die Blütenstände, um Weibchen zu begatten. Diese tragen an ihren Hinterbeinen eine krümelige Masse aus Pollen und Öl, die sie als Larvenvorrat in ihr Nest transportieren. Oft legen die Weibchen ihre Erdnester in der Nähe der Nahrungspflanzen an, die auf feuchten Böden wachsen. Dabei nutzen sie das Pflanzenöl zusätzlich zur Imprägnierung der Nestwände und schützen die Brut dadurch gegen Feuchtigkeit und die Gefahr von Schimmelbildung.

3. Preis für „Stuttgarter Sensenschwinger“

Unsere Aktion „Stuttgarter Sensenschwinger“ ist bei der gestrigen Vergabe des Umweltpreises der Stadt Stuttgart mit einem 3. Preis und einem Preisgeld von 250 Euro ausgezeichnet worden. Die Siegerurkunde überreichte Umweltbürgermeister Peter Pätzold im Kleinen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses stellvertretend an Bernhard Lehr und Ingo Lau von den Sensenschwingern.

30 Teilnehmer hatten sich mit ihren Einsendungen in drei Kategorien um den Preis beworben. Insgesamt sprach das Preisgericht aus Gemeinderäten, Vertretern von Naturschutzverbänden sowie der Stadtverwaltung sieben Preise und zwölf Anerkennungen aus. In Summe wurde ein Preisgeld von 6.000 Euro vergeben.

Urkunde Lass ess blühen 3. Preis
Die Urkunde für den 3. Platz beim Umweltpreis der Stadt Stuttgart in der Kategorie „Vereine, Verbände und Initiativen“

Deine Spende hilft doppelt

Die Outdoor-Bekleidungsfirma Patagonia verdoppelt bis zum neuen Jahr alle Spenden, die über ihr Portal an die Initiative Netzwerk Blühende Landschaft von Mellifera eingehen.

„Spenden an gemeinnützige Umweltorganisationen machen einen winzigen Prozentsatz des philanthropischen Spendens aus. Und das, obwohl der Planet brennt“, erklärt das Unternehmen. Daher habe man sich entschieden, alle Spenden, die vom 29. November bis zum 31. Dezember 2019 zur Unterstützung von Umweltschutzgruppen eingehen, zu verdoppeln.

Bei Mellifera sieht man das als eine „tolle Chance“. Man hoffe, dass viele Spenden von lieben Menschen eingehen, die „uns und unsere Arbeit unterstützen“ wollen.

Über folgenden Link kommst Du direkt zum Spendenformular von Patagonia, und Du kannst dort Deine Spende auch noch zu einem Geschenk für einen lieben Freund oder eine liebe Freundin machen: https://eu.patagonia.com/de/de/actionworks/umweltschutzgruppen/mellifera-e-v/spenden/

Filmstart: Land des Honigs

Am 21. November kommt der Film „Land des Honigs“ (Originaltitel: Honeyland) in unsere Kinos. Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov schildern darin das Leben einer besonderen Frau mit Namen Hatidze. Sie lebt in einem mazedonischen Dorf und steigt dort täglich einen Berg hinauf, um nach ihren Bienen zu schauen, die in Felsspalten leben.

Hatidze, honeyland
Die Imkerin Hatidze ist die Hauptperson im Film „Land des Honigs“ (Foto: Ljubo Stefanov)

Ein altes Lied singend, entnimmt die Imkerin dem Bienenvolk Waben. Dabei befolgt sie eine eiserne Regel: Niemals mehr als die Hälfte des Honigs nehmen.

Mit der Ankunft einer Nomadenfamilie in ihrem Heimatdorf und deren Rinderherde gerät das harmonische Zusammenleben Hatidzes mit den Bienen in Unordnung. Es entsteht ein Konflikt im Spannungsfeld zwischen Natur, Nachhaltigkeit und Profitgier.

„Land des Honigs“ ist ein stimmungsvoller und emotionaler Film, der uns eine besondere Form der extensiven Bienenhaltung vor Augen führt. Deshalb möchte der Verein Mellifera sein Anliegen (wesensgemäße Bienenhaltung) mit dem Kinostart des Films in Deutschland verbinden, unter anderem mit dem Mellifera-Logo auf Flyern und Plakaten zum Film.

Hoher Blühflächen-Besuch in Zuffenhausen

Biene, Hummel und Co am Bahnhof Zuffenhausen

Beim Blühflächenbesuch: v. l. Bernd Wudick, Volker Schirner, Ute Dümcke; Andreas Elsner und Ingo Lau

Der Bürgerverein Zuffenhausen, Bienenschutz Stuttgart und die Stadt haben im Rahmen eines Pressetermins am 9. Juli die am Bahnhof Zuffenhausen angelegten Blühflächen vorgestellt. Die Flächen umfassen das Beet um den Blauglockenbaum auf dem Bahnhofsvorplatz (40 Quadratmeter), den Hang zur B10/B27, gegenüber dem Kulturzentrum (220 Quadratmeter) und die Wiese bei den Altglascontainern am Busbahnhof (420 Quadratmeter). Alle drei gehören auch zum Projekt „BienenBlütenReich“ des Netzwerks Blühende Landschaft.

Der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, Volker Schirner, erschien persönlich und zeigte sich äußerst interessiert am Aussterben der Wildbienen, dem die Projektpartner mit ihrer Initiative am Bahnhof etwas entgegensetzen wollen. Bei der Gelegenheit nahm der Amtsleiter auch die von Bienenschutz Stuttgart gestiftete Wildbienen-Nisthilfe und die vom Bürgerverein angebrachte Info-Beschilderung (siehe Foto) in Augenschein.

Bienen, Hummeln und vielen anderen Insekten geht es schlecht. Auch in Stuttgart sind mehr als die Hälfte der 270 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben.

 

Bohren für unsere Bienen

Wildbienen-Nisthilfen bauen

Erst bohren, dann feilen, denn saubere Löcher gefallen Wildbienen besser

Das Bohren von Wildbienen-Nisthilfen und das Verteilen von angezogenen Pflanzen einheimischer Wildblumen standen am 19. Mai im Vordergrund unserer Aktion beim Bienentag auf dem Dach des Züblin-Parkhauses. Von 11 bis 17 Uhr wurden bergeweise Späne erzeugt. Junge und alte Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger waren mit Eifer dabei.  Außerdem wurden jede Menge Töpfchen mit Glockenblumen, Natternkopf, Kornblumen und anderen Stauden bepflanzt und an unsere Standbesucher verteilt.  In Gärten und auf Balkonen werden sie bald für zusätzliches Futter für unsere Bienen und Wildbienen sorgen.

Der Bienentag 2019 in Stuttgart wurde gemeinsam mit ProBiene und SlowFood Deutschland ausgerichtet und markierte gleichzeitig den Auftakt zur Unterschriftensammlung für das Volksbegehren (volksbegehren-artenschutz.de) in Baden-Württemberg. Schon an diesem ersten Tag konnten rund 10 Prozent der notwendigen 10.000 Stimmen eingesammelt werden.

Bürger und Bienenschützer arbeiten Hand in Hand

Bienenweide Bahnhof Zufenhausen

Christina Kolb vom Bürgerverein Zuffenhausen und Bienenschützer Andreas Elsner bei der Einsaat

Anfang April haben sich Bienenschutz Stuttgart und der Bürgerverein Zuffenhausen zur Einsaat  am Bahnhof Zuffenhausen getroffen. Es dauerte rund eine Stunde, dann waren auf den 700 Quadratmetern die drei verschiedenen Mischungen aus heimischen Wildblumensamen ausgebracht.

Die Saatgutmischungen wurden bei einem VWW-zertifizierten Hersteller von Regio-Saatgut im Rahmen des Projektes BienenBlütenReich bezogen. Mit diesem Projekt setzt sich das Netzwerk Blühende Landschaft (www.bluehende-landschaft.de) bundesweit für die Verbesserung der Nahrungs- und Lebensgrundlage von blütenbesuchenden Insekten ein. Die Vorbereitung der drei Flächen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt.

Im Mai folgt ein gemeinsamer Pressetermin der Projektpartner, bei dem auch eine Wildbienen-Nisthilfe auf einer der Flächen aufgestellt wird.

Volksbegehren Artenschutz in BaWü – Rettet die Bienen

Unter dem Motto „Rettet die Bienen“ hat das freie Institut proBiene im März ein Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt angestoßen, welches der Bienenschutz Stuttgart e.V. neben vielen anderen Organisationen unterstützt.

Mit dem Volksbegehren soll u.a. eine Erweiterung der Lebensräume und Blühangebote sowie eine Reduzierung von Pestiziden für ein artenreiches Baden-Württemberg geschaffen werden. Die Hauptforderungen und weitere Infos findet gibt es unter: https://volksbegehren-artenschutz.de/

Aktuell wird mit juristischer Begleitung an den konkreten Formulierungen für das Naturschutzgesetz Baden-Württemberg gearbeitet und weitere ideelle und finanzielle Unterstützerinnen und Unterstützer für das Volksbegehren gesucht. Eingeladen, sich der Allianz anzuschließen, sind Bürgerinnen und Bürger, Landwirte, Verbände, Unternehmen und weitere Einrichtungen. Auf der Kampagnen-Webseite kann man sich bereits in den Newsletter eintragen.

Leben aus dem Lehm – Staunen und lernen 1

Sceliphron curvatum

Zukünftiges Leben schlummert in Lehm

In der letzten Woche vor den Faschingsferien hat mich mein Sohn mit einem kleinen Mitbringsel aus der Schule überrascht. In einer Blechdose, die er von seinem Gartenbaulehrer bekommen hatte, lag gut gepolstert ein etwa drei Zentimeter großer schön geformter Klumpen aus Lehm und Sand (s. Foto). Am etwas schmaleren Ende des Klumpens ist eine Art Röhre angedeutet, deren Öffnung mit demselben Material perfekt verschlossen ist. Etwas vergleichbares hatte ich nie zuvor gesehen. Ich drehte den Klumpen vorsichtig um und merkte dabei, dass das Gebilde hart und durchaus stabil war.

Der Nachwuchs der Orientalischen Mauerwespe (Sceliphron curvatum) hat sich bereits verpuppt

Auf der Unterseite zeigt sich ein völlig anderes Bild: Hier ist der Klumpen offen, und ich sehe den Teil einer Puppe. An den Enden ist sie schwarz und im mittleren Bereich in einem dunklen rostrot gefärbt. Damit war mir klar, dass in diesem Lehmmantel ein zukünftiges Insekt schlummert. Mein Sohn erklärte mir noch, dass der Klumpen mit der offenen Unterseite an einem Brett geklebt habe und an dem Brett seien noch 10 bis 15 weiterer solcher Klumpen gehangen.

Also hatte dort ein Insekt in mehreren Brutzellen aus Lehm seine Nachkommen platziert. Blieb die Frage, welches Insekt hier am Werk gewesen war. Ich tippte zunächst auf eine Mörtelbiene, war mir meiner Sache aber nicht sicher und wollte auch nicht warten bis das Tier schlüpft. Daher fragte ich einen Entomologen am Naturkundemuseum in Stuttgart. Die Antwort kam prompt: Keine Mörtelbiene sondern eine Orientalische Mauerwespe (Sceliphron curvatum) wird im Frühling aus diesem Lehmmantel schlüpfen. Diese Art gehört zur Gattung der Grabwespen (Spheciformes) und ist ursprünglich in Asien beheimatet. Seit 1979 breiten sich diese Mauerwespen auch in Europa aus. In die Brutzelle kommen außer dem Ei bis zu 40 paralysierte Spinnen, die der Larve als Nahrung dienen, bis sie sich dann endlich verpuppt.

Die in Deutschland heimischen Mörtelbienen, wie beispielsweise die Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietena), bauen ebenfalls Brutzellen aus Lehm und Sand und kleben diese an Steine oder andere raue Oberflächen. Leider sind diese mittlerweile in Deutschland sehr selten geworden.

Dieser Beitrag bilde den Auftakt zu einer Serie mit dem Titel „Staunen und lernen“, in der wir in unregelmäßigen Abstand Fundstücke oder Besonderheiten, die im Zusammenhang mit Hautflüglern stehen, vorstellen werden. Gerne greifen wir auch Ihre Anregungen oder Fundstücke auf.