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Maß halten bei Honigbienen

Offener Brief zur Bienenhaltung im urbanen Raum

Nur die Dosis macht das Gift. Dieser sinngemäß verkürzte Satz des Arztes und Naturforschers Paracelsus gilt auch für die Imkerei. In den zurückliegenden Jahren haben wir besonders bei der Haltung von Honigbienen in der Stadt einen Boom erlebt. In Stuttgart sind beim zuständigen Veterinäramt im November 2020 über 3.000 Bienenvölker von über 650 Imkern gemeldet, das sind im Durchschnitt über 15 Völker pro Quadratkilometer. Das freut Imkervereine und mittlerweile auch Menschen, die mit neuen Geschäftsmodellen Geld verdienen wollen (siehe u. a. Artikel in Stuttgarter Zeitung von Andrea Jenewein mit dem Titel „Ein Bienenvolk für den heimischen Balkon“).

Diese Freude an der wachsenden Liebe der Stadtbevölkerung zu den Honigbienen wird aber nicht von allen geteilt. Gerade bei der Bienenhaltung im siedlungsnahen Raum, wo viele Menschen eng aufeinander wohnen, kann es zu nachbarschaftlichen Konflikten kommen. Es sind eben nicht alle Menschen im Umgang mit Insektenstichen so entspannt, wie das vielleicht wünschenswert wäre. In Einzelfällen können schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auftreten.

Bienenplagen in Trockenzeiten

Bei hoher Bienendichte und wenig Tracht kommt es vor allem in trockenen Sommermonaten zu weiteren unschönen Phänomenen. Dann tauchen auf einmal mehrere hundert Sammelbienen aus Bienenstöcken in der nächsten Bäckerei auf, um an den zuckrigen Auslagen ihren Hunger zu stillen. Auch am Swimmingpool kann es dann zu Bienenplagen kommen, denn auch Honigbienen haben Durst. Regelmäßig erhalten wir Anrufe von Menschen, die in Sorge sind und uns von solchen Vorfällen berichten.

Besonders unbeliebt sind die vielen Honigbienen mittlerweile bei Entomologen und Naturschützern, denn die Indizien mehren sich, dass es gerade in Zeiten mit geringem Angebot an Pollen und Nektar zu einer Nahrungskonkurrenz von Honigbienen und heimischen Wildbienen kommen kann. In intakten Landschaften mit ganzjährig hohem Blütenangebot sind solche Effekte nach wissenschaftlichem Kenntnisstand eher selten, aber leider sind diese Bedingungen immer seltener gegeben. Auch im urbanen Raum ist das Nektar- und Pollenangebot begrenzt, und wenn es dann knapp wird, sind die Leidtragenden oft Sandbienen, Hummeln oder Maskenbienen, die für immer verschwinden – und mit ihnen die Artenvielfalt.

Nachbarschaft und Blütenangebot beobachten

Deshalb plädieren Bienenschutz Stuttgart und die Mit-Unterzeichner dieses Schreibens für ein gesundes Maß auch in der Stadtimkerei. Menschen, die Honigbienen halten wollen, sollten sich unbedingt vorab einen Eindruck darüber verschaffen, wie viele Bienenvölker in der Nachbarschaft des geplanten Bienenstandes, Gartens oder Balkons bereits vorhanden sind. Des Weiteren empfiehlt es sich, vor Inbetriebnahme eines neuen Bienenstandes in der Umgebung vorhandene auffällige Trachten bei warmem, sonnigem Wetter auf den Besatz mit Honigbienen zu überprüfen.

In jedem Volk sind zwischen 20.000 und 40.000 Bienen, von denen jede Nektar als Treibstoff benötigt. Das Blütenangebot im Flugradius (ca. 3 km) eines Bienenvolkes muss diesen Nektar ganzjährig anbieten. Ist das nicht der Fall, sollte man hier auf die Bienenhaltung verzichten und stattdessen für ein vielfältiges und reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot sorgen.

Für sinnvoll halten wir in der Stadt auch sogenannte BeeSharing-Modelle, eine Form der Imkerei, bei der sich mehrere Menschen gemeinsam um ein oder zwei Völker kümmern. Auf diese Weise kann man voneinander lernen, sich in Urlaubszeiten gegenseitig vertreten und die berechtigte Faszination für Honigbienen artet in arbeitsreichen Zeiten nicht gleich in Stress aus.

Die Imkerei ist eine wunderschöne Beschäftigung mit einer faszinierenden Spezies, und sie hat den willkommenen Nebeneffekt, dass imkernde Menschen ihr Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in unserer Umwelt vertiefen. Verantwortungsvoll wird sie dann, wenn sie sich so weit zurücknimmt, dass es nicht zu unerwünschten negativen Effekten und zu einem Druck auf andere Arten kommt.

Mit-Unterzeichner:

NABU Stuttgart, Bunte Wiese Stuttgart, BUND Stuttgart

Mehr Bienenvölker und Imker

Die Zahl der Imker und Bienenvölker in Stuttgart ist auch im Jahr 2020 weiter angewachsen. Eine Anfrage von Bienenschutz Stuttgart Mitte November beim zuständigen Veterinäramt ergab, dass aktuell 658 Imker und Imkerinnen gemeldet sind, die insgesamt 3.046 Honigbienenvölker betreuen. Vor einem Jahr waren es 603 Imker mit 2.763 Völkern. Im November 2015 lauteten die Vergleichszahlen 396 Imker mit 1.900 Völkern.

Bezogen auf die Fläche von Stuttgart ergibt sich aus den Zahlen eine aktuelle Bienendichte von durchschnittlich 15 Honigbienenvölkern pro Quadratkilometer. Dieser Durchschnittswert dürfte verglichen mit der Realität eher zu niedrig sein, da allein ein Viertel der Fläche Stuttgarts aus Wald besteht, wo sich in der Regel kaum Imker mit ihren Völkern aufhalten. An den meisten Standorten ist somit eher von Bienendichten im Bereich von 20 Völkern pro Quadratkilometer auszugehen.

Aus den Zahlen lassen sich außerdem zwei Trends ablesen. Die seit acht bis zehn Jahren zu beobachtende Zunahme von Honigbienenvölkern in der Stadt ist ungebrochen. Und die Zahl der Imkerinnen und Imker steigt stärker als die Zahl der Völker. Menschen, die Honigbienen halten, haben also durchschnittlich weniger Völker als früher und betreiben die Imkerei überwiegend als Hobby.

Die beim Veterinäramt gemeldeten Honigbienenvölker bieten lediglich ein grobe Orientierung zur Situation der Stadtimkerei in Stuttgart. Die Realität kann von diesen Zahlen natürlich abweichen, denn neu gebildete Ableger werden dem Veterinäramt nicht immer sofort gemeldet und Völker, die den Winter nicht überleben, werden nicht immer sorgfältig abgemeldet.

Sensen leicht gelernt

Bienenschutz Stuttgart veranstaltet ab Mai 2020 wieder Kurse, in denen das lautlose, insektenfreundliche und Rücken stärkende Mähen mit der Sense erlernt werden kann. Unsere beiden ersten Kurse werden am 16. Mai in Hedelfingen und am 17. Mai in Heumaden stattfinden.

Sense wetzen
Bernhard Lehr erläutert das Wetzen der Sense mit dem Stein.

Bernhard Lehr erklärt und zeigt in den Kursen das richtige Sensen von der Pike auf. Er beantwortet dabei wichtige Fragen, wie: Was macht eine gute Sense aus? Wo kaufe ich eine gute Sense? Wie stelle ich meine Sense richtig ein? Wie und wie oft wird die Sense gewetzt oder gedengelt? Wie kann ich mit wenig Krafteinsatz mähen?

Interessierte können sich ab sofort unter sensenkurs@bienenschutz-stuttgart.de anmelden. Für den Kurs werden Leihsensen zur Verfügung gestellt. Die Kursgebühr beträgt 25,- Euro. Sie wird vor Ort erhoben und beinhaltet auch ein zweites Frühstück.

Sammelt Öl für den Nachwuchs

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2020 eine Biene gewählt, die sich durch eine für Mitteleuropa einzigartige Lebensweise auszeichnet. Während Wildbienen für ihre Larven üblicherweise einen Futterproviant aus Pollen und Nektar in ihr Nest eintragen, sammelt die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) Pflanzenöle und vermengt sie mit Pollen zu einer Art Ölkuchen.

Die Auen-Schenkelbiene auf einer Blüte des Gilbweiderichs
Foto: Volker Mauss

Als ölspendende Pflanzen dienen den Schenkelbienen hierzulande Gilbweiderich-Arten (Lysimachia), die häufig an Bachufern und Grabenrändern vorkommen (Gewöhnlicher Gilbweiderich, Pfennigkraut). Der Punkt-Gilbweiderich ist in Gärten als Zierpflanze verbreitet.

Auf der Suche nach dem Pflanzenöl kommt die Auen-Schenkelbiene somit auch in unsere Gärten. Ein noch häufigerer Gast ist hier die sehr ähnliche Schwesterart, die Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes). Die Bienen brauchen al-lerdings als schnell verfügbaren „Treibstoff“ stets auch Nektar, den sie sich in unterschiedlichen Blüten holen – zumeist in der Nähe der Ölpflanzen. Die Schenkelbienen brauchen also ein vielfältiges Blütenangebot.

Um die Wildbiene des Jahres 2020 zu beobachten, lohnt es sich, ab Ende Juni an Beständen des Gilbweiderichs nach den Tieren Ausschau zu halten. Vor allem die Männchen mit auffällig gelben Gesichtern fliegen hektisch um die Blütenstände, um Weibchen zu begatten. Diese tragen an ihren Hinterbeinen eine krümelige Masse aus Pollen und Öl, die sie als Larvenvorrat in ihr Nest transportieren. Oft legen die Weibchen ihre Erdnester in der Nähe der Nahrungspflanzen an, die auf feuchten Böden wachsen. Dabei nutzen sie das Pflanzenöl zusätzlich zur Imprägnierung der Nestwände und schützen die Brut dadurch gegen Feuchtigkeit und die Gefahr von Schimmelbildung.

3. Preis für „Stuttgarter Sensenschwinger“

Unsere Aktion „Stuttgarter Sensenschwinger“ ist bei der gestrigen Vergabe des Umweltpreises der Stadt Stuttgart mit einem 3. Preis und einem Preisgeld von 250 Euro ausgezeichnet worden. Die Siegerurkunde überreichte Umweltbürgermeister Peter Pätzold im Kleinen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses stellvertretend an Bernhard Lehr und Ingo Lau von den Sensenschwingern.

30 Teilnehmer hatten sich mit ihren Einsendungen in drei Kategorien um den Preis beworben. Insgesamt sprach das Preisgericht aus Gemeinderäten, Vertretern von Naturschutzverbänden sowie der Stadtverwaltung sieben Preise und zwölf Anerkennungen aus. In Summe wurde ein Preisgeld von 6.000 Euro vergeben.

Urkunde Lass ess blühen 3. Preis
Die Urkunde für den 3. Platz beim Umweltpreis der Stadt Stuttgart in der Kategorie „Vereine, Verbände und Initiativen“

Deine Spende hilft doppelt

Die Outdoor-Bekleidungsfirma Patagonia verdoppelt bis zum neuen Jahr alle Spenden, die über ihr Portal an die Initiative Netzwerk Blühende Landschaft von Mellifera eingehen.

„Spenden an gemeinnützige Umweltorganisationen machen einen winzigen Prozentsatz des philanthropischen Spendens aus. Und das, obwohl der Planet brennt“, erklärt das Unternehmen. Daher habe man sich entschieden, alle Spenden, die vom 29. November bis zum 31. Dezember 2019 zur Unterstützung von Umweltschutzgruppen eingehen, zu verdoppeln.

Bei Mellifera sieht man das als eine „tolle Chance“. Man hoffe, dass viele Spenden von lieben Menschen eingehen, die „uns und unsere Arbeit unterstützen“ wollen.

Über folgenden Link kommst Du direkt zum Spendenformular von Patagonia, und Du kannst dort Deine Spende auch noch zu einem Geschenk für einen lieben Freund oder eine liebe Freundin machen: https://eu.patagonia.com/de/de/actionworks/umweltschutzgruppen/mellifera-e-v/spenden/

Filmstart: Land des Honigs

Am 21. November kommt der Film „Land des Honigs“ (Originaltitel: Honeyland) in unsere Kinos. Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov schildern darin das Leben einer besonderen Frau mit Namen Hatidze. Sie lebt in einem mazedonischen Dorf und steigt dort täglich einen Berg hinauf, um nach ihren Bienen zu schauen, die in Felsspalten leben.

Hatidze, honeyland
Die Imkerin Hatidze ist die Hauptperson im Film „Land des Honigs“ (Foto: Ljubo Stefanov)

Ein altes Lied singend, entnimmt die Imkerin dem Bienenvolk Waben. Dabei befolgt sie eine eiserne Regel: Niemals mehr als die Hälfte des Honigs nehmen.

Mit der Ankunft einer Nomadenfamilie in ihrem Heimatdorf und deren Rinderherde gerät das harmonische Zusammenleben Hatidzes mit den Bienen in Unordnung. Es entsteht ein Konflikt im Spannungsfeld zwischen Natur, Nachhaltigkeit und Profitgier.

„Land des Honigs“ ist ein stimmungsvoller und emotionaler Film, der uns eine besondere Form der extensiven Bienenhaltung vor Augen führt. Deshalb möchte der Verein Mellifera sein Anliegen (wesensgemäße Bienenhaltung) mit dem Kinostart des Films in Deutschland verbinden, unter anderem mit dem Mellifera-Logo auf Flyern und Plakaten zum Film.

Hoher Blühflächen-Besuch in Zuffenhausen

Biene, Hummel und Co am Bahnhof Zuffenhausen

Beim Blühflächenbesuch: v. l. Bernd Wudick, Volker Schirner, Ute Dümcke; Andreas Elsner und Ingo Lau

Der Bürgerverein Zuffenhausen, Bienenschutz Stuttgart und die Stadt haben im Rahmen eines Pressetermins am 9. Juli die am Bahnhof Zuffenhausen angelegten Blühflächen vorgestellt. Die Flächen umfassen das Beet um den Blauglockenbaum auf dem Bahnhofsvorplatz (40 Quadratmeter), den Hang zur B10/B27, gegenüber dem Kulturzentrum (220 Quadratmeter) und die Wiese bei den Altglascontainern am Busbahnhof (420 Quadratmeter). Alle drei gehören auch zum Projekt „BienenBlütenReich“ des Netzwerks Blühende Landschaft.

Der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, Volker Schirner, erschien persönlich und zeigte sich äußerst interessiert am Aussterben der Wildbienen, dem die Projektpartner mit ihrer Initiative am Bahnhof etwas entgegensetzen wollen. Bei der Gelegenheit nahm der Amtsleiter auch die von Bienenschutz Stuttgart gestiftete Wildbienen-Nisthilfe und die vom Bürgerverein angebrachte Info-Beschilderung (siehe Foto) in Augenschein.

Bienen, Hummeln und vielen anderen Insekten geht es schlecht. Auch in Stuttgart sind mehr als die Hälfte der 270 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben.

 

Bohren für unsere Bienen

Wildbienen-Nisthilfen bauen

Erst bohren, dann feilen, denn saubere Löcher gefallen Wildbienen besser

Das Bohren von Wildbienen-Nisthilfen und das Verteilen von angezogenen Pflanzen einheimischer Wildblumen standen am 19. Mai im Vordergrund unserer Aktion beim Bienentag auf dem Dach des Züblin-Parkhauses. Von 11 bis 17 Uhr wurden bergeweise Späne erzeugt. Junge und alte Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger waren mit Eifer dabei.  Außerdem wurden jede Menge Töpfchen mit Glockenblumen, Natternkopf, Kornblumen und anderen Stauden bepflanzt und an unsere Standbesucher verteilt.  In Gärten und auf Balkonen werden sie bald für zusätzliches Futter für unsere Bienen und Wildbienen sorgen.

Der Bienentag 2019 in Stuttgart wurde gemeinsam mit ProBiene und SlowFood Deutschland ausgerichtet und markierte gleichzeitig den Auftakt zur Unterschriftensammlung für das Volksbegehren (volksbegehren-artenschutz.de) in Baden-Württemberg. Schon an diesem ersten Tag konnten rund 10 Prozent der notwendigen 10.000 Stimmen eingesammelt werden.

Bürger und Bienenschützer arbeiten Hand in Hand

Bienenweide Bahnhof Zufenhausen

Christina Kolb vom Bürgerverein Zuffenhausen und Bienenschützer Andreas Elsner bei der Einsaat

Anfang April haben sich Bienenschutz Stuttgart und der Bürgerverein Zuffenhausen zur Einsaat  am Bahnhof Zuffenhausen getroffen. Es dauerte rund eine Stunde, dann waren auf den 700 Quadratmetern die drei verschiedenen Mischungen aus heimischen Wildblumensamen ausgebracht.

Die Saatgutmischungen wurden bei einem VWW-zertifizierten Hersteller von Regio-Saatgut im Rahmen des Projektes BienenBlütenReich bezogen. Mit diesem Projekt setzt sich das Netzwerk Blühende Landschaft (www.bluehende-landschaft.de) bundesweit für die Verbesserung der Nahrungs- und Lebensgrundlage von blütenbesuchenden Insekten ein. Die Vorbereitung der drei Flächen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt.

Im Mai folgt ein gemeinsamer Pressetermin der Projektpartner, bei dem auch eine Wildbienen-Nisthilfe auf einer der Flächen aufgestellt wird.